Gedanken von Pfarrer Briesovsky
Liebe Leserinnen und Leser,
stellen Sie sich vor, Sie sitzen bei "Wer wird Millionär" auf dem Kandidatenstuhl von Günther Jauch. Dort werden Sie gefragt:
Was würden Sie antworten? Vermutlich würden viele Deutsche sagen: Weihnachten natürlich! Aber damit wäre Ihr Weg zur Million leider zu Ende. Was zählt ist nicht die "gefühlte" Wichtigkeit. Ginge es nach dieser, hätten Sie recht. Die Frage nach dem höchsten Fest der Christenheit muss aber vom Inhalt der christlichen Botschaft her beantwortet werden. Und da ist ohne Zweifel das Osterfest das bedeutendste. Es ist zugleich das älteste christliche Fest. Im öffentlichen Bewusstsein ist die christliche Bedeutung von Ostern inzwischen allerdings weitgehend verloren gegangen. Mehr noch als zum Weihnachtsfest bei dem die Konsum - Ikone "Weihnachtsmann" das Christkind vergessen gemacht hat, ist das beim Osterfest der Fall. Hier haben Fruchtbarkeits- und Frühlingssymbole die christlichen Symbole wie das Osterlamm (und damit auch den Inhalt des Festes) verdrängt. Zentraler Kern des ursprünglichen Osterfestes war die Feier der Osternacht. In ihr fielen das Gedenken des Kreuzestodes Jesu und die Feier seiner Auferstehung zusammen. Ein Standardwerk über das Kirchenjahr schreibt zur Osternacht: "Der Gottesdienst der Osternacht galt ursprünglich als der bedeutendste des ganzen Jahres und als Herzmitte christlicher Festfeier überhaupt." Allerdings hat sich die Osternachtsfeier seit dem 4. Jahrhundert ausdifferenziert in eine Reihe von Teilgottesdiensten mit unterschiedlichen Schwerpunkten, die aber inhaltlich eine Einheit 2 bilden und aufeinander bezogen sind. Die sogenannten "Heiligen drei Tage" beginnen mit dem Gründonnerstag und der Einsetzung des heiligen Abendmahls durch den Herrn, setzen sich fort in den Gottesdiensten zum Karfreitag und reichen bis zur Feier der Auferstehung in der Osternacht und am Ostersonntag. Auch in Neukirch feiern wir die Osternacht: Früh 6 Uhr mit dem Entzünden des Osterfeuers und dem Einzug in die finstere Kirche, die dann allein vom Osterlicht erleuchtet wird. Auf die Feier der Osternacht, die ja zugleich die 40tägige Passionsund Fastenzeit beendet, folgt - was könnte besser passen - ein zünftiges Osterfrühstück und 9.30 Uhr der Festgottesdienst. Es wäre schön, wenn das wichtigste Fest der Christenheit unter uns noch weiter an Bedeutung gewinnt. Wir haben als Christen einen großen und wertvollen Schatz an Traditionen. Den gilt es wiederzuentdecken und aus unserem Glauben heraus zu beleben. Leben und Glaube sind allerdings Gaben des Schöpfers. Gott hat Christus von den Toten auferweckt und so muss er auch uns auferwecken, damit unsere Traditionen nicht zu leeren Formen werden. Denn ohne Christus bleibt alles äußerlich und bloße Ästhetik. Wo ER aber unser Zentrum und unsere Triebkraft ist, da ist wahres Leben und eine Kraft, die jeden Tod überwindet. "Das Evangelium ist eine Kraft Gottes, die da rettet, die daran glauben ..." schreibt Paulus in Röm 1,17. Im Vertrauen darauf grüße ich Sie mit dem Ostergruß:
Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!
Ihr Pfarrer Jörg Briesovsky